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Aristoteles als Ratgeber

Kommunikation & Rhetorik

Aristoteles, einer der bedeutendsten Philosophen der griechischen Antike, hat sich bereits vor über 2.000 Jahren mit dem Thema Rhetorik beschäftigt. Vor dem Hintergrund ihres Alters und ihrer zeitlosen Praxis liefern uns seine wesentlichen Erkenntnisse den Rahmen zu einer erfolgreichen Präsentation.

Dort definiert er Rhetorik als die Fähigkeit, „das Überzeugende, das jeder Sache innewohnt, zu erkennen.“ Damit trifft er den entscheidenden Punkt. Es geht bei den meisten Präsentationen darum, sein Publikum zu überzeugen. Seiner Meinung nach bedarf es dazu dreier Mittel: Ethos, Logos und Pathos. 

Ethos – erkennt ihr mich?

Ethos meint, dass im Charakter des Redners, also in seiner Autorität und Glaubwürdigkeit, eine wesentliche Überzeugungskraft liegt. Seine Integrität steht hier auf dem Prüfstand (Hat er das „Recht“ hier dazu zu sprechen?). Das heißt: Ihre Rolle muss klar definiert, nachvollziehbar und (formell) gerechtfertigt sein. Darauf aufbauend muss Ihr Image die Rolle individuell ausfüllen und angemessen repräsentieren. Daran orientiert muss Ihre Selbst-Inszenierung Ihre Autorität und Glaubwürdigkeit unterstreichen. 

Autorität und Glaubwürdigkeit sind also untrennbar mit Ihrer Rollendefinition, Ihrem Imageaufbau und Ihrer Selbst-Inszenierung verbunden. Vereinfacht gesagt: Nur ein stimmiger Dreiklang aus Rolle (inkl. der angeknüpften Erwartungen), Image und Inszenierung macht Sie glaubwürdig und überzeugend.

Manche Menschen sind einfach talentiert. Wenn dies so sein sollte, prima. Die gute Nachricht ist aber auch: Sie können sich Ihren Ethos erarbeiten. 

  • Definieren Sie die Rolle für sich: Was sind Sie – eher ein Konformist, ein Abweichler oder ein Rebell?
  • Prägen Sie Ihre Rolle individuell aus, durch entsprechende Äußerlichkeiten, Körpersprache, Stimme, Wortwahl und Verhaltensweisen.
  • Inszenieren Sie sich selbst und treten Sie mit allem, was zu Ihrem Image passt, immer wiederkehrend auf.

 

Logos – begreift ihr das? 

Logos meint, dass neben der Glaubwürdigkeit des Redners die Folgerichtigkeit und Beweisführung die Überzeugung stärkt. Es geht also um eine logische Struktur mit überzeugenden Argumenten, die nachvollziehbar und verständlich sind.

Auch hier greifen wir gerne auf Erkenntnisse aus der griechischen Antike zurück. Denn dort wurden bereits fünf Schritte zur erfolgreichen Rede formuliert. Für unsere Zwecke sind die ersten beide Schritte interessant: Inventio und Dispositio. 

Inventio

Hier geht es um die Stoffsammlung. Es ist wichtig, dass Sie zunächst einmal Informationen, Ideen, Argumente sowie Zahlen, Daten und Fakten sammeln, die für Ihr Thema brauchbar und nützlich sind. Darüber hinaus brauchen Sie aber vor allem eine Kernbotschaft, ein klares Ziel sowie den Blick für Ihr Publikum

Dispositio

Wenn Sie Ihr Ziel und die Kernbotschaft definiert und Ihr Publikum ins Visier genommen haben, geht es an die Gliederung. Das betrifft sowohl die Präsentationsstruktur im Allgemeinen als auch die Auswahl und den Aufbau der Argumente. Hier geht es um den berühmten roten Faden. 

Die Struktur ist deshalb so wichtig, damit Ihr Publikum Ihr Anliegen verstehen und nachvollziehen kann, aufmerksam und wach bleibt, um dann überzeugt werden zu können. Denn eins ist klar und sicher: Wir sind alle nur von dem überzeugt, was wir verstehen und nachvollziehen können. Oder kaufen Sie eine Waschmaschine, wenn Sie nicht wissen, welche Funktionen sie hat und wie energiesparend sie ist? Kreuzen Sie auf Ihrem Wahlzettel eine Partei an, von der Sie nicht wissen, wofür Sie steht, was sie fordert und was sie umsetzen will?  

 

Pathos – spürt ihr das? 

Pathos meint im aristotelischen Sinne einen emotionalen Appell, ausgerichtet auf das Publikum. Er ist somit bemüht, sich die Emotionen des Publikums zu Nutze zu machen und im originären Wortsinne Leidenschaft zu wecken. Kein Theaterstück, kein Film und keine Präsentation sind erfolgreich ohne emotionale Beteiligung und Appelle. Wer andere überzeugen will, muss unter die Bauchdecke und ins Herz der anderen vorstoßen. Dies tun wir vor allem mit unserer Körpersprache, mit dem Einsatz unserer Stimme sowie rhetorischen Stilmitteln. 

An dieser Stelle ist es uns wichtig zu betonen, dass es um emotionale Beteiligung in allen Facetten geht. Denn Pathos kann leise und laut sein, angepasst und rebellisch, herzlich und unbarmherzig. Je nach Thema und Ziel Ihrer Präsentation und vor dem Hintergrund des emotionalen Zustandes Ihrer Zuhörer, dürfen Sie Ihr Publikum entsprechend zum Lachen oder zum Weinen, zur Euphorie oder zum Nachdenken, zum Feiern oder zum Trauern bringen. Genau darauf beruht der Erfolg von Filmen wie zum Beispiel „Ziemlich beste Freunde“, „Schindlers Liste“, „Die fabelhafte Welt der Amelie“, „Pulp Fiction“, „2012“ oder „Titanic“. So unterschiedlich sie sind, so gleich sind sie, in dem was Ihnen gelingt: Sie berühren das Publikum.

Der Dreiklang von Ethos, Logos und Pathos gilt als grundlegendes Kriterium der Überzeugung.

ETHOS: die sittliche Gesinnung des Redners, seine moralische Haltung, seine Stellung, sein Ansehen, sein Image.

LOGOS: die Argumentation des Redners, seine Begründungen, seine Beweise, seine Veranschaulichung, seine inhaltliche Beziehung zum Publikum.

PATHOS: die Leidenschaft des Redners, seine emotionale Verbindung zum Thema und Publikum, seine Fähigkeit, sich und andere zu berühren.

 

 

 

 

 

 

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